Mittwoch, 4. März 2009

Reisebericht Dezember 2008 - Teil 1

ich entschuldige für die Verspätung dieses Berichts und das dieser Blog zwischenzeitlich etwas eingeschlafen ist.

Reiseroute

Die “weltbeste Reise“ führte Jana (aus dem Münsteraner Waisenprojekt) und mich von Iringa aus, über Mbeya, Tunduma und einem kurzem Zwischenstop in Lusaka nach Livingstone. Von dort aus haben wir die königlichen Viktoriafälle besichtigt.
Der Tanganijkasee mit Kalambo Falls stand ebenfalls auf unserer Reiseroute. Mit dem Zug ging es von Lusaka nach Mbeya und von dort aus mit dem Bus über Sumbawanga nach Kasanga, ein Fischerdorf am Tanganijkasee.

Fahrt von Iringa -> Lusaka

Um sieben Uhr morgens ging es los, mit dem Busunternehmen CHAULA, in Richtung der sambischen Grenze. Chaula brachte uns von Iriniga nach Mbeya, von wo aus wir mit einem Coaster (größerer Kleinbus - kein Dalla Dalla) nach Tunduma, der tansanischen Grenzstadt fuhren. Dies geschah nicht ganz ohne Zwischenfälle. Auf halber Srecke brach die Bremsscheibe am rechten Vorderrad. Trotz der hohen Geschwindigkeit behielt der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug und lenkte uns sicher in die nächste Stadt. Nach 20 minütiger Reparaturpause, wobei jeder der Fahrgäste sein mechanisches Wissen zum Besten geben durfte, ging es im Höchsttempo weiter nach Tunduma. Dort wurde erstmal eine zünftige Mahlzeit in Form eines Chipsi Majai (halb gebratene Pommes-Kartoffeln in Spiegelei) eingenommen. Danach ging es zu Fuß rüber nach Sambia. Auf der anderen Seite angelangt, galt es einen der Nachtbusse nach Lusaka zu kriegen. Natürlich hatten wir keinerlei Ahnung vom aktuellen Umrechnungskurs und unglücklicherweise hatten wir auch keinerlei Kwauchas (sambische Währung). Somit war die Wahrscheinlichkeit dass wir übers Ohr gehauen werden ziemlich groß. Die Verhandlung um den Preis war wie immer mühsam. Nachdem die ersten Verhandlungen wegen des zu hohen Preises gescheitert waren und wir uns schon auf die Suche nach einem anderen Bus machen wollten, trat der Discount Manager auf den Plan. “I’m the discount manager, my friend!! Why you go away?!?! You have to talk to me! I will give you fair price! No Price for white men! 15 % discount, just for you!“. Diese Leute sind ungefähr so sympathisch wie Fußpilz. Letztendlich haben wir uns auf einen recht realistischen Preis geeinigt, wurden dann aber beim Wechseln von tansanischen Shillingi in sambische Kwauchas übers Ohr gehauen.
Der Bus war sehr gepflegt und ordentlich. Alle Sitze waren verschließbar und die Fenster ließen sich auch öffnen und schließen. Ein nicht zu unterschätzender Luxus auf einer langen Busfahrt mit wenigen und kurzen Zwischenstops. Da der Bus über Nacht bis nach Lusaka fuhr, richteten wir uns eine gemütliche Fahrt mit ein bisschen Schlaf und ein. Flasch gedacht! Es war eine Höllenfahrt. Bis ca. halb zwei in der Nacht lief der Fernseher mit diesen ultraschlechten und nervigen afrikanischen Sidcoms oder nerviger Jallamusik.
Wenn man dann mal ein wenig geschlafen hatte wurde man zur Passkontrolle von einem unfreundlichen Polizisten oder von ein bzw. aussteigenden Fahrgästen geweckt. Am nächsten Mittag kamen wir vollkommen übermüdet in Lusaka der Hauptstadt Sambias an.

Aufenthalt Lusaka

In Lusaka kamen wir am Busstandi (Busbahnhof) an. Es war der bisher schlimmste Busbahnhof den ich je erlebt habe. Überall sprachen die Leute einen an und wollten unser Gepäck tragen oder uns in ihr Taxi vermitteln. Hinzu kamen die Conductors der anderen Busunternehmen die einem noch ein Ticket andrehen wollten. Es war die Hölle, inmitten dieser ca. 20 Leute zu stehen und diese alle kein “Nein“ akzeptieren.
In Lusaka trafen wir uns mit mit Vater Simon der uns in sein Heim aufnahm. Jana hatte ihn auf dem Taisse Treffen in Nairobi kennengelernt und er hatte uns eine Schlafmöglichkeit angeboten. Das darin Rundumbetreung eingeschlossen hatten wir nicht erwartet. Er holte uns vom Busstandi ab, zeigte uns die Stadt, bewirtete uns herrlich, fuhr mit uns zur Krokodilfarm, zeigte uns die Einkaufszentren und kaufte sogar Telefonprepaidkarten für uns. Er war super lieb und herzlich, doch teilweise mussten wir ihn in seinem Fürsorgewahn etwas bremsen. Abends spielten wir mit ihm und anderen Priestern Phase 10. Wobei es sehr lustig war, dass die Afrikaner keine 10 Karten auf der Hand halten konnten und auch beim Mischen der Karten hatten Sie so ihre Probleme.

Ansonsten hatte Lusaka viel zu bieten. Viele große Einkaufszentren wo es alles gab was wir sonst nur aus Deutschland kannten. Eine Wursttheke, Süßigkeiten in Hülle und Fülle, dunkles Brot, usw.
Im Kino haben wir uns den neuen James Bond Film angeguckt. In der Stadt gibt es ein türkisches Restaurant. Dort aßen wir Döner.  Die Reptilienfarm, etwas ausserhalb von Lusaka, war auf jeden Fall seinen Besuch wert. Die vielen riesigen Krokodile waren schon etwas angsteinflößend und wenn Sie nicht hinterm zaun gewesen wären, hätte ich bestimmt schnell das Weite gesucht.

Am Sonntagmorgen dem 7.12.2008 ging es mit dem Bus - Vater Simon hatte uns die Tickets besorgt - weiter nach Livingstone. Dort hat Vater Simon zwei anderen Priester Bescheid gegeben, dass wir kommen würden. Diese sollten sich doch Mal um uns kümmern. Es sei ja schließlich viel zu gefährlich allein zu reisen.

Hier gehts zu den Bildern

Livingstone / Viktoria Fälle

Auf den Spuren Livingstones

Die Fahrt nach Livingstone verlief problemlos. Der Bus war super. Es gab sogar Getränke. Die Straße war mit Ausnahme der letzten 150 km in Ordnung. Somit war es eine schöne und nicht zu anstrengende Fahrt. In Livingstone angekommen stand dort auch schon Vater Raymond bereit der uns zu Vater Bruno brachte, wo wir wohnen durften. Vater Bruno war in einem kleinem Dorf, etwas ausserhalb von Livingstone, jedoch nicht weit weg von den Vik Falls stationiert. Da er jedoch kein eigenes Auto hatte, musste ihn sein Priesterfreund Raymond für jedes Treffen oder jedes Mal wenn er in die Stadt wollte abholen und wieder zurückbringen. Bei Bruno angekommen haben wir natürlich erstmal lecker gegessen und uns danach noch ein wenig unterhalten.
Am nächsten Tag ging es zu den Viktoria Fällen. Raymond und Bruno kamen mit uns. Sie hätten eh nichts anderes zu tun, sagten Sie. Die Messe morgens um sechs war gelesen und somit hatten Sie Zeit für uns.  Es war sehr lustig. Sie erzählten uns jede Menge Geschichten über die Vik Falls und führten uns herum. Die Viktoria Fälle an für sich sahen schon sehr sehr mächtig aus. Leider war Wasserniedrigstand, sodass nicht allzuviel Wasser die Klippen herunterstürzte.
Der Boiling Point befindet sich unterhalb der Fälle und ist ganzjährig begehbar. Bei Wasserhöchststand türmt sich dort eine riesige Welle auf. Auf dem Weg dorthin kreuzten wilde Affen unseren Weg. Sie waren nicht mal einen Meter von uns entfernt und beäugten uns komisch. Mit dem Essensrucksack auf dem Rücken hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Um zu unserem Ziel zu gelangen mussten wir auch einen kleinen Bach durchwaten und über mehrere Felsen klettern. Raymond machte das alles sehr locker und sprang von Stein zu Stein, während wir unsere Schuhe auszogen und durchs Wasser wateten. Bruno tat es uns gleich! Als wir Raymond fragte wieso er dies nicht täte, meinte er ganz trocken “Hier gibt es Wasserschlangen, ich habe vorhin eine gesehen!“ Auf die Frage warum er uns dies nicht vorher gesagt hat, lachte er nur. 
Der Boiling Point selbst war, trotz des wenigen Wassers, überwältigend. Es war einfach unglaublich schön.
Ansonsten waren wir noch im Livingstone Museum, spielten mit Bruno Phase 10 besichtigten Raymonds Kirche und waren mit beiden schick Essen, wo wir zufälligerweise Thomas und Charlotte trafen, die auch in Iringa leben.

Nicht vergessen darf ich folgende Anekdoten:

1) Father Raymond fuhr tanken. Nicht wie jeder normale Bürger tat er dies an einer Tankstelle. Er fuhr mit uns ca. 25 Minuten durch die Vallachhei um in einem verlassenen Hinterhof geschmuggeltes Benzin aus Botswana zu kaufen. Typisch Priester. 
2) Beim Kartenspielen zog ich mir ein kleinen Cut am Auge zu, weil mich eine Helikopterfliege angegriffen hat. Bei meiner Ausweichbewegung mit dem Kopf war die Kante des Stuhls im Wege. 
3) Auf dem Weg in die Stadt gerieten wir in eine Polizeikontrolle. Der Polizist erkannte die beiden Priester und sagte nur entschuldigend:
“Oooh, the priests – its OK!“.
4) Auf einer der Fahrten zu Brunos Dorf sahen wir ein vom Elefanten platt getrampeltes Auto. Der Fahrer war nachts zu schnell unterwegs und hatte den Elefanten gestriffen. Dieser ist daraufhin wild geworden und hat das Auto zertrampelt. Der Fahrer sowie der Elefant konnten flüchten. Am nächsten Tag lief diese Nachricht auch im Staatsfernsehn. Der Fahrer beteuerte in dem Interview nicht betrunken gewesen zu sein und nie zu schnell zu fahren. Er trinkt nie wenn er am Steuer sitzt! ;-)

Hier gehts zu den Bildern von Livingstone und den Vik Falls



Der Sprung meines Lebens

Unten donnert das Wassers des Sambesi durch die Schlucht. Im Hintergrund befinden sich die malerischen Viktoriafällen. Auf der Eisenbahnbrücke, 111 Meter über dem Boden, zwischen Sambia und Simbabwe befindet sich der zweithöchste Bunjeesjump der Welt. Am sambischen Grenzposten holt man sich eine Genehmigung für den Sprung auszureisen. Die Brücke befindet sich im Niemandsland. Vor der Brücke ist die kleine Bude mir der Anmeldung für den Bunjeejump. Die Dame dort weisst mich auf die Gefahren eines solchen Sprungs hin. Sie deutet auf eine Tafel, auf der steht wann man nicht Bunjeespringen sollte. Bluthochdruck, Herzbeschwerden, Kreislaufbeschwerden, Kniebeschwerden, Rückenleiden, etc.. Trifft auf mich alles nicht zu, insofern unterschrieb ich die Verzichtserklärung, welche jegliche Schadensersatzforderungen im Unglücksfall nichtig macht. Nachdem ich gewogen wurde und bezahlt hatte, ging es weiter auf die Brücke. Dort wurde mir der Sicherheitsgurt angelegt. Danach hieß es warten. Noch zwei weitere Springer waren vor mir an der Reihe. Ein Südafrikaner der todesmutig mit einem Rückwärtssalto absprang und ein weniger todesmutiger Typ der sich beim ersten Mal nicht getraut hat abzuspringen und im zweiten Versuch kurzerhand geschupst wurde.  Beim Betreten der Absprungfläche wurde ich direkt gesichert. Mit dem Rücken zum Abgrund musste ich mich hinsetzen und mir wurden erst einmal die Waden mit Handtüchern eingewickelt. Dies sollte den Druck auf die Füße verringern. Der Rastafari der dies bei mir tat, erzählte mir von Gott und der Welt und fragte mich tausend Mal belangloses Zeug. Die wichtigsten Informationen die ich aufschnappte waren: “Today, is the best day of your life!“, “ It will be better than sex!“, “Jump out and feel like a butterfly!“. Diese geplante Zulaberei um jegliche Aufregung / Angst im Keim zu ersticken funktionierte bei mir nicht. Ich war furchtbar nervös. Dies wurde verstärkt als plötzlich ein Gewitter aufzog und der Wind deutlich stärker wurde. Auf die Frage ob es dadurch gefährlicher für mich würde und ob wir den Sprung nicht verschieben sollten, antwortete der Rastafari “No, its not dangerous! Now its better!!! You will see! Jump out and feel like an eagle! If the wind is coming up, you ‘ll do the best jump in the world! Give me a famous jump, jump out and scream as loud as you can! “. Danach ging alles ganz schnell. Ich stand auf, das Seil wurde mir an den Füßen befestigt, ich drehte mich und hüpfte zum Absprung, am Abgrund ein kurzer Bick nach rechts – Foto, ein kurzer Blick nach rechts – Foto, 5-4-3-2-1- BUUUNJEEEE, ich sprang raus und flog dem Abgrund entegegen. Es war einfach nur geil!! Das Gefühl ist so schwer zu beschreiben, dass ich jedem nur empfehlen kann es selbst zu erleben. Nach meinem Sprung wurde der Sprung übrigens zu gemacht, weil angefangen in Strömen zu regnen. Sicherheit geht vor. 

Hier gehts zu den Bildern vom Bunjeesprung


Fahrt von Livingstone -> Lusaka -> Kapiri – Mposhi

Am Tag nach dem Sprung ging es wieder zurück nach Lusaka. Die ersten Kilometer begleitete uns ein Wanderprediger. Er wurde von gesandt um auf der Strecke Livingstone und Lusaka die Busse und Reisenden zu segnen. Er segnete alles. Den Bus, die Fahrgäste, die Reifen, das Lenkrad, den Auspuff, die Achsen, die Türen, die Fenster. Er predigte Ehrfurcht, dass wenn wir Gott nicht ehren würden, noch auf dieser Fahrt ums Leben kommen könnten. Es wäre eigentlich nur eine Randnotiz, bis wir auf der Hälfte der Strecke einen völlig zerstörten Bus in Büschen sahen und die Straße mit Wrackteilen überseht war. Der Bus hielt an. Einige der Fahrgäste stiegen aus und gingen zur Unglücksstelle. Es waren hauptsächlich die männlichen Fahrgäste. Auch ging mit zu dem zerstörten Bus. Auf dem Weg dorthin fragte ich einen Sambier was und wann es passiert seie. Er antwortete, dass es wohl ein Frontalcrash zwischen Bus und Laster am frühen Morgen war, keine 3 Stunden her. Der Bus lag umgekippt im Seitengraben. Die Fahrerkabine war völlig zerstört. Er deutete auf den Fahrersitz, das Lenkrad und den Schaltknüppel, sowie weitere Elektronikteile des Busses welche verstreut auf der Straße lagen. Der Sambier sagte trocken zu mir, dass es wohl Tote gab und deutete auf eine Blutlache am Rand der Straße. Das bedrückende Gefühl wurde verstärkt, als wir uns dem Buswrack näherten. Bei einem Blick durch die meist zerbrochenen oder zersprungenen Fensterscheiben sah man herausgerissene Sitze und umherfliegendes Gepäck. Einige Sambier gingen weiter um den Bus rum, zu der Stelle wo normalerweise die Fahrerkabine ist. Einige von Ihnen machten Fotos, manche drehten sich ab und mussten sich übergeben. Was dort zu sehen war, wollte ich nicht mehr wissen. Ich drehte mich um und ging zurück zum Bus. In diesem Moment wusste wir wieder wie gefährlich reisen sein kann und hofften gut anzukommen. Den Rest der Fahrt war eine betroffene und ruhige Stimmung im Bus. Wir kamen heile in Lusaka an, vielleicht auch auf Grund des Wanderpredigers.
Nach einer Übernachtung in Lusaka sollte es am nächsten Tag nach Kapiri Mposhi gehen um von dort aus mit der TaZaRa (Tanzanian Zambian Railway) nach Mbeya zu fahren.
Die Bahn in Kapiri Mposhi fuhr um 14 Uhr ab. Wir sollten um 11 Uhr dort sein um unsere Reservierung wahrzunehmen. Die Strecke von Lusaka nach Kapiri Mposhi dauert mit dem Bus ca. 3 Stunden. Wir hatten Tickets für den 7 Uhr Bus nach Kapiri Mposhi. Um 5:30 Uhr standen wir auf um rechtzeitig am Busstandi zu sein.
Wir waren rechtzeitig dort und stiegen auch in den Bus ein und warteten darauf das er los fuhr. Das warten zog sich etwas hin. Denn der Bus war noch nicht voll mit Fahrgästen. Somit mussten wir warten, bis der Bus voll war. Dies dauerte bis 11:30. In der Zwischenzeit hatten wir schon Rush Hour 2 geguckt. Der Wanderprediger hatte über 1 Stunde lang eine Predigt gehalten und Bibeln verkauft. Ich hatte mich dem Conductor, dem Fahrer und dem zuständigen Manager angefeindet. Ich hätte dies nicht getan wenn sich nicht auch andere Fahrgäste über die 4 ½ Stunden längere Wartezeit eschwert hätten. Die Busgesellschaft war sehr uneinsichtig, konnte keine der folgenden Argumente / Fragen verstehen bzw. darauf antworten:
- Wir haben ein Ticket für den 7 Uhr Bus und erwarten auch das dieser zeitnah losfährt
- Wir kaufen ein Ticket für den 7 Uhr Bus, damit wir pünktlich ankommen.
- Warum werden wir icht darüber informiert, dass der Bus erst losfährt wenn er voll ist?
- Was haben Sie für eine Berufsauffassung?!
- Wir würden gerne den Fahrpreis erstattet bekommen, falls wir den Zug in Kapiri Mposhi nicht bekommen.
- .....etc. Die härteren Beleidigungen möchte ich an dieser Stelle nicht wiedergeben.

Eine Eigenschaft der Mitarbeiter dieses Busunternehmens ist die Kritikfähigkeit und Kundenfreundlichkeit. In monatelangen Schulungen und Seminaren wurden sie nämlich darauf vorbereitet auf Kritik gar nicht zu reagieren. Sie sind sogar solche Experten auf diesem Gebiet, dass sie schaffen gar nicht mehr zu antworten. Einfach auf Durchzug zu schalten. Letzten Endes kamen wir um 13:45 am Bahnhof in Kapiri Mposhi an. Wir schafften es gerade noch rechtzeitig ein Abteil zu mieten und in den Zug steigen.

Zugfahrt Kapiri-Mposhi -> Mbeya

Ein 4 Personen Schlafabteil für 2 Personen, der Speisewagen war 15 Meter entfernt, die Getränkebar 10 Meter. Die Bedienung kam jede Stunde und fragte nach ob wir noch offene Wünsche hätten die er uns erfüllen könnte. Ansonsten war die Fahrt wunderschön. Viele verschiedene Landschaften, endlose Ferne, Gewitter, Berge und Täler haben wir bewundert. Hinzu kam die Lebensfreude der kleinen Dörfer ide der Zug passiert hat. Von überall kamen die Menschen angelaufen um dem Zug zuzuwinken. Einfach toll.


Hier gehts zu den Bildern von der Zugfahrt

Fahrt Mbeya -> Sumbawanga -> Kasanga

In Mbeya haben wir eine Nacht im Youth Hostel günstig übernachtet und uns beim dortigen Chinesen, ordentlich den Bauch vollgeschlagen. Am nächsten Morgen ging es in aller Herrgottsfrühe in Richutng Sumbawanga weiter. Das ehrgeizige Ziel war in einem Tag Kasanga, am Tanganijkasee, zu erreichen Die erste Hälfte der ersten Etappe legten wir auf gut asphaltierter Straße zurück. Den Rest der Strecke bis nach Sumbawanga, war löchrige Piste. Dies schien den Busfahrer nicht allzu sehr zu stören, so nahm er jedes Schlagloch mit. Die Ausnahme waren die vielen kleinen Brücken, welche die vielen kleinen Bäche kreuzten. Die Straße 50 Meter vor und nach jeder Brücke war asphaltiert. Dies veranlasste den Fahrer auf den knapp 100 Metern extrem zu beschleunigen , denn wir hatten es ja eilig. Als das asphaltierte Straßenstück dann aufhörte und es zurück auf die Piste ging, war die Erschütterung so groß, dass wir entweder mit den Köpfen gegen die Decke stießen oder einzelne Handgepäckstücke aus der Gepäckablage auf unsere Köpfe fielen.
Müde und mit Kopfschmerzen kamen wir in Sumbawanga an. Der Bus in Richtung Kasanga war schon abgefahren. Ein freundlicher Mann bot uns ein Lifti auf seinem Pick-Up an. Für 7000 TSH pro Person würde er uns fahren. Wir nahmen an und sagten, dass wir nur noch kurz was essen würden. Der Liftifahrer wartete, während wir leckeres Wali na Nyama ( Reis und Fleisch ) aßen. Er unterhielt sich an seinem Pick-Up mit einem anderen Fahrer, wahrscheinlich einem Freund. Dann gab sein Freund ihm etwas und er fuhr davon. Als wir seinem Freund fragten wohin er denn sei, antwortete dieser das unser Liftifahrer fortgefahren sei, er uns stattdessen aber fahren könnte.
Für unschlagbare 120 000 TSH. Wir waren nicht bereit uns verarschen zu lassen und den winzigen Preisunterschied von 113 000 TSH in Kauf zu nehmen und machten uns auf die Suche nach einem Lifti um die letzten 75 km nach Kasanga zu bewältigen.
Ein leerer Fischlaster bot sich uns an. Er pendelte alle zwei Tage von Kasanga nach Sumbawanga um dort seinen Fisch zu verkaufen. Auf dem Rückweg fungierte er als Lifti. So saßen wir mit vielen Tansaniern un einigen Waren auf der Ladefläche des Lasters. Mit unschlagbaren 12 km/h machten wir uns auf den Weg. Die Straße war schlecht und der Fischlaster machte einige Zwischenstopps. Dort ließen es sich die Conductors auch nicht nehmen ihren erwirtschafteten Gewinn in Alkohol umzusetzen und sich zu betrinken. Es wurde dunkel und wir hatten unser Ziel noch immer nicht erreicht, obwohl die Strecke nur 75 km betrug. Auf Nachfrage bekamen wir die Antwort, dass wir heute noch ankommen und das es nicht mehr lange dauert.
Nachdem wir tief in der Nacht immer noch nicht angekommen waren, beschlich mich das dumpfe Gefühl, dass wir a) nicht in Richtung Tanganijkasee fahren oder b) später noch überfallen werden würden. Die erste erwies sich als falsch, denn endlich tauchte der Tanganijkasee am Horizont auf und die Lichter unseres Fischerdörfchen Kasanga leuchteten auch noch. Viel mehr konnten wir jedoch nicht erkennen, denn es war stockfinster. Kurz vor unserem Dorf stiegen auch die letzten Fahrgäste vom Laster. Wir fuhren an unserem Dorf vorbei. Auf Nachfrage warum er uns dort nicht rauslässt, antwortete der Conductor, wir müssten erst noch die Sachen ausladen. Ich wurde richtig paranoid und verlangte von Jana das Pfefferspray und machte mich für den Ernstfall fertig. Es mittlerweile halb vier in der Nacht und wir klapperten noch 4 weitere Fischerdörfer an der Küste ab, bevor der LKW uns in unser Dorf brachte. Der Grund warum er dort als letztes hinfuhr war, das die Straße zu dem Dorf so steil war, dass der LKWzwar runter gekommen wäre, aber nicht wieder hoch. Deswegen musste er erst die komplette Ladung loswerden. Glücklich das nichts passiert ist und totmüde fielen wir nach 21 Stunden Reise totmüde ins Bett.

Aufenthalt Kasanga / Tanganijkasee

Der Tanganijka ist traumhaft schön. Es gibt dort Sand und Kiesstrände und total klares Wasser. Es ist herrlich dort zu schwimmen, schnorcheln und im Kayak herumzufahren. Kaum eine Menschenseele ist dort an den Stränden zu sehen. Am Ufer des Sees befinden sich malerische Fischerdörfchen. Kasanga, hieß unser kleines Fischerdorf. Wir waren die einzigen weißen im Dorf. Jeder wusste unseren Namen, Herkunft und wielange wir bleiben und das obwohl wir es nur unserem Hotelmanager gesagt hatten. Als ich eines Abends alleine essen war, gesellten sich zwei Jugendliche zu mir und fragten was sie tun müssten um an einem unserer Computerkurse an der Ruco Universität teilzunehmen. Ich war etwas verblüfft und fragte, woher sie denn wüssten, dass ich dort unterrichte. Sie antworteten, dass es jeder im Dorf wüsste und auch jeder wüsste dass wir am selben Tag am Strand waren und am nächsten Tag zu den Kalambo Falls fahren würden. Es war lustig, aber auch ein komiches Gefühl von wildfremden Leuten mit dem Namen angesprochen zu werden. Alles in allem waren es aber sehr schöne Tage am Tanganijkasee.


Hier
gehts zu den Bildern vom Tanganijkasee


Ausflug zu den Kalambo Falls

Von Kasanga aus mieteten wir uns ein Motorboot und einen Guide (Peter) um zu den Kalambo Falls zu fahren. Die Kalambo Falls sind mit 235 Metern die zweithöchsten Wasserfälle Afrikas und die sechsthöchsten der Welt, an der Grenze zwischen Sambia und Tansania am südöstlichen Ende des Tanganijkasees. Da der Kalambo nicht ganzjährig Wasser führt sind die Fälle nicht ganzjährig zu besichtigen. Mit dem Boot fuhren wir auf die sambische Seite der Kalambomündung und legten die letzten 6 Kilometer zu Fuß zurück. Die meiste Zeit des Weges ging es Bergauf, sodass wir nassgeschwitzt ankamen. Nachdem wir den ersten Blick auf die Kalambo Falls genossen hatten, tauchte der Guide auf um die Eintrittsgebühr von drei Dollar pro Person entgegenzunehmen. Die Schwierigkeit war nur das er keine 1 Dollar Scheine annahm, was die Sache etwas schwierig machte. Auf Nachfrage wie wir denn jetzt die 3 Dollar pro Person zahlen sollten, antwortete er dass es ein Fehler im System sei. Daraufhin sagten wir ihm, dass wir auf Grund dieses Systemfehlers jetzt nur 2 Dollar pro Person zahlen würden. Er entgegnete dass er dieses Mal noch eine Ausnahme machen würde und auch 1 Dollar Scheine annehmen würde.  Die Kalambo Falls war richtig beeindruckend. Schaut euch die Fotos an. Auf dem Rückweg gerieten wir in einem kleineren Sturm. Einige Wellen schwappten ins Boot und wir mussten zwei drei mal beim Wasserschöppen helfen.


Hier
gehts zu den Kalambo Falls Fotos

Aufenthalt Sumbawanga – Rückfahrt Iringa

Auf dem Rückweg legten wir noch einen dreitätigen Zwischenstopp, bei Eva einer Freiwilligen des Bistums Münster, in Sumbawanga ein. Wir besichtigten ihr Projekt und die Stadt und kauften unsere neuen Schildkröten Karllson und Lillebror, die mittlerweile freudig bei uns im Innenhof spielen.  Nach den drei Tagen ging es zurück nach Mbeya. Nach einem Besuch des dortigen Chinesen fuhren wir am nächsten Tag zurück nach Iringa um dort Weihnachten mit allen Freiwilligen zu feiern.  Der erste Teil der weltbesten Reise war nun vorbei.

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