Mittwoch, 24. September 2008

Die Kolonialoma

Hier in Iringa lebt eine deutsche Oma, die in Tansania geboren ist und deren Eltern Kolonialdeutsche waren. Wir waren Sie natürlich besuchen! :-) Wie es in Tansania so üblich ist, begrüßte Sie uns mit einem freundlichen Karibu und bat uns in Ihr Haus. Allerdings sprach Sie kein Wort deutsch und auch kein Englisch! Die alte Dame spricht nur Kisuaeheli. Die einzigen deutschen Wörter die sie konnte waren "Wurscht", "Specki" und "Hitler". Sie war zwar schonmal in Deutschland, allerdings nur kurz um Verwandte zu besuchen, welche in der Nähe von Stuttgart leben. Sie bat uns deutschen Wein an. Voller Freude nahmen wir an. Nach Probieren des deutschen Weines, entpuppte dieser sich als spanischer Sangria, was aber auch nicht weiter störte. Sie erzählte uns Geschichten aus der Kolonialzeit, sang alte Lieder von Kaiser Wilhelm und Mussolini.
Alles in allem war es ein gelungener und sehr informativer nachmittag. Beim Abschied lud uns die Oma noch zum Essen ein. Dieser Einladung werden wir auf jeden Fall folgen! :-) Fortsetzung folgt!

Der Einbruch

Eines Tages kam ich von der Arbeit nach Hause und bemerkte die offenstehende Küchentür! Aufgeregt erforschte ich ob alle Wertsachen noch vorhanden sind. Geld, Laptop, Bankkarten und der PC! Alles war noch vorhanden! Stattdessen war die Tür Hoftür mit Zahnseide verziert! Alle Stifte fehlten! Ein Taschenrechner, der Funkwecker, die Taschenlampe, alle Murmeln und Steinschleudern waren verschwunden!! Sowie die Colas und Süßigkeiten aus dem Kühlschrank fehlten! Es lag auf der Hand das wir es mit Kindern zu tun hatten! Und weil Kinder so unglaublich herrlich sind, liefen Sie auch noch mit den Steinschleudern vor unserem Haus herum! Also auf zu Eltern der Kinder, unseren Nachbarn! Nach einem kurzen Gespräch mit der Mutter und dem Jungen stellte sich heraus, das angeblich ein Junge aus der weiteren Nachbarschaft der alleinige Schuldige der ganzen Aktion war. Er hatte den Hofschlüssel entwendet, als Mama Jussuf (unsere Haushaltshilfe) vergessen hatte die Hoftür zu schließen und wir arbeiten waren! Dreimal sollte er bei uns im Haus gewesen sein! Der Name des Jungen Ibo! Also machten Mathias und ich uns auf die Suche nach Mama Ibo! Zuhause war Sie nicht anzutreffen! Man sagte uns sie arbeite in einem Lokal Pub in Kihesa (dem Nachbarstadtteil). Also machten wir uns mit dem Nachbarjungen (ca. 7 Jahre) und dem Bruder des Nachbarjungen(ca. 18 Jahre) auf die Suche nach Mama Ibo und ihrem Sohn! Die Mutter unseres Nachbarjungen durchsuchte in der Zeit das Zimmer ihres Zöglings! Während der Suche in Kihesa wurden wir Zeugen einer ordentlichen afrikanische Wirtshausrauferei! In fast jedem pub wurde uns gesagt, dass es hier gefährlich für Weiße sei und wir lieber wieder nach Hause gehen sollen! :-) Letztendlich erhielten wir die Information dass Mama Ibo übers Wochenende auf ihr Dorf gefahren sei und erst Anfang nächster Woche zurückkäme! Nun wurde es Zeit den Bezirksvorsteher (der älteste Mann in der näheren Umgebung) einzuweihen! Wir gingen in sein Haus, erwiesen ihm den ihm gebührenden Respekt mit einem Shikamoo und einem leichten Knicks und schilderten ihm unser Leid! Er nahm sich der Sache an und ging mit zu unserem Haus, vor dem unseren Nachbarn warteten. Die Mutter hatte derweil das Zimmer des Nachbarjungen durchforstet und gab uns die dort gefundenen Sachen wieder. Man merkte den Nachbarseltern an, dass Ihnen die ganze Sache höchst unangenehm war. Sie hatten in diesem Moment ihr Gesicht vor uns verloren und Ihr Junge hatte Schande über die Familie gebracht! Sie versprachen uns, die Sache für uns zu regeln. Der junge Nachbarsjunge bekam eine Trachtprügel von seinen Eltern, die es in sich hatte. Die Härte der Prügel kann mit der Angst der Eltern begründen, dass der Junge nochmals klaut und ihm was schlimmeres passiert! Denn normalerweise werden Diebe in Tansania gesteinigt.
Die andere Begründung ist der Gesichtsverlust der Eltern, denn innerhalb eines Tages wusste der ganze Bezirk, dass ihr Junge mit anderen Kindern bei uns eingebrochen hat. Die Nachbarseltern brachten uns Tag für tag die gestohlenen Kleinigkeiten zurück. Nur der Schlüssel für den Hitnerhof wurde bisher nicht gefunden. Die Kinder sagten sie hätten den Schlüssel ins Feld hinterm Haus geworfen. Daraufhin brannten die Nachbarn das komplette Feld ab, doch der Schlüssel blieb dennoch verschollen. Wir haben den Nachbarn nun mitgeteilt, dass Sie die Suche einstellen können und uns für ihr Engagement bei der Suche bedankt! Wir werden ein neues Schloß für die Hinterhoftür besorgen und damit ist die Geschichte für uns dann auch beendet. Unseren Nachbarn scheint es immer noch etwas peinlich zu sein, dies merkt man im täglichen Umgang. Ich hoffe dies ändert sich. Weiterhin lässt sich sagen, dass es zum Glück nur Kinder waren, die bei uns einbrachen und das keine Dinge von größerem Wert (wie Laptop, Geld, etc.) weggekommen sind.

Das erste Mal....Malaria!!!

Ein detaillierter Krankheitsbericht:

Sonntag 7.9.2008, ein schöner, sonniger Tag. Mittags telefonierte ich noch mit der besorgten Mutter in Deutschland und sagte, dass es mir gut geht, ich rund um gesund bin und es mir an nix mangelt. Abends waren wir bei Mama Erika zum Essen eingeladen. Auf dem Weg zu ihr merkte ich schon wie mir unwohl wurde. Völlig erschöpft und nassgeschwitzt kam ich bei Mama Erika an, ließ mich in den Sessel fallen und trank erstmal eine Soda. Beim Essen dann kam der Schüttelfrost dazu und der Kreislauf ging in den Keller. Felix brachte mich nach Hause. Alle 10 Meter haben wir eine kurze Verschnaufpause gemacht. Zuhause angekommen legte ich mich völlig erschöpft und von Schüttelfrost geplagt ins Bett und versuchte zu schlafen. Dies gelang mir nicht wirklich da ich verrückte Fieberträume bekam, von einen bekannten deutschen TV Sender der deutsches Kabelfernsehn in Afrika verlegen wollte und in Iringa bei uns damit begann. Der TV Sender hielt es für nötig uns das Wasser für mehrere Tage abzustellen. Nach einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit von deutscher TV Verblödung in Afrika, drohte die TV Anstalt uns, auch den Strom abzuschalten. Der Traum entwickelte sich zu einem wahren Alptraum. Zusätzlich zum Fieber, dem Schüttelfrost und dem Alptraum gesellte sich noch ein Grummeln. Dieses Grummeln führte kurz darauf zu einer heftigen Umarmung der Closchüssel. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, dass es mir jemals so dreckig ging wie in dieser Nacht. Ich verfluchtete meine eigene Naivität im Umgang mit der Malariaprophylaxe. Am Morgen nach der Horrornacht schleppte ich mich völlig zerstört ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort buchte ich einen Malariatest und zusätzlich auch einen Typhustest. Nichts ausser Acht lassen war das oberste Gebot. Als Erstes wurde Blut abgenommen und auf einen Objektträger getröpfelt wurde, welcher in 2 Substanzen getaucht und danach in die Sonne zum trocknen gelegt wurde. Danach drückte mir der Laborjunge eine Streichholzschachtel und 1 Streichholz in die Hand und verwies mich zur “Stuhlprobe“ auf die Toilette des Krankenhauses. Beim Anblick des französischen Clo’ s beschlich mich das ungute Gefühl das Krankenhaus kranker als vorher zu verlassen. Nach Abgabe der Stuhlprobe war die Blutprobe getrocknet. Auf Anfrage durfte ich sogar durchs Mikroskop gucken und der Laborant erklärte mir, welche von meinen Blutkörperchen normal und welche von Malaria befallen waren. Der Laborant zählte die Viren und schrieb die Anzahl auf meinen Behandlungsbogen ( ein abgerissenes Blatt Papier). Der Typhustest ergab “samonella typhus“, was hier aber auch als Typhus verkauft wird. Mit dem “Behandlungsbogen“ begab ich mich ins Zimmer des Doktors, der einen freundlich begrüßt und nach einem Blick auf den Behandlungsbogen sein Mitleid bekundet. Das Wort für Mitleidsbekundung oder Anteilnahme lautet “Pole“, wenn es besonders schlimm ist bekommt man ein “Pole sana“. Ich bedankte mich für das Mitleid und danach erklärte mit der Doktor dass nicht die Anzahl der Malariaviren entscheidend ist, sondern die Symptome. Aber schwarze würden grundsätzlich mehr Viren vertragen als “mzungus“ verklickerte er mir mit einem Lächeln. Danach verschrieb er mir einen tollen Tablettencocktail von zeitweise bis zu 21 Tabletten täglich! 3 mal täglich 4 Malariatabletten, für zwei Tage – danach nur noch 2 mal 4 Tabletten für 1 Tag.
Gegen die Samonellen bekam ich Antibiotika. Und gegen Schmerzen “Painkillers“ in Form Paracetamol. 6 Tabletten auf drei Rationen am Tag verteilt, solange wie ich Schmerzen habe. Da ich keine Schmerzen hatte, nahm ich 1 Paracetamol gegen das Fieber. Die Gesundung verlief prima und die Tabletten wirkten. Mittlerweile bin ich zwar noch etwas geschwächt vom Antibiotika, aber es geht mir wieder gut. Die medizinische Versorgung ist gewährleistet und gut. Im Nachhinein muss ich auch allen Ehemaligen zustimmen, die Malaria mit einer stärkeren Grippe verglichen. Und die These das Krankheiten wie Typhus und Malaria hier in Tansania schneller erkannt werden als in Deutschland, würde ich auch unterschreiben, weil die Krankheiten hier wesentlich häufiger vorkommen. Letztendlich lässt sich sagen, ich bin gesund und dass ist die Hauptsache! 