Freitag, 24. Juli 2009

Der Ritt auf der Ilala

Von Chilumba nach Monkey Bay

Alles eingestiegen! - Die Ilala am Steg von Nkhata Bay

Die Ilala wurde 1949 in Scotstoun in der Nähe von Glasgow gebaut. Über See, Straßen und Schienen wurde das mehrere Tonnen schwere Schiff in Einzelteilen an das Ufer des Malawisees geliefert, wo es zusammengesetzt wurde und seitdem wöchentlich den See auf und ab fährt. Meistens ist sie pünktlich, doch manchmal verspätet sie sich. Wie auch in dem Fall der beiden mutigen Seebären Samuel und Joschka. Ursprünglich sollten sie am Sonntagabend das Schiff ihrer Träume besteigen und Sonntagnacht den Hafen von Chilumba in Richtung Nkhata Bay verlassen. Jedoch hatte die Ilala Verspätung. Samuel und Joschka brachten ihr Gepäck in den Aufenthaltsraum des Hafens und begaben sich in die „Stadt“ Chilumba um dort etwas zu Essen und die Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Dies gelang ihnen auch sehr gut. Sie kehrten in einer einladenden Bar ein und tranken dort einige Bier. Später überzeugte Joschka am Pooltisch und Samuel forderte den heimischen Baokönig heraus, der ihm umgehend einige Lektionen erteilte. Danach gesellte sich ein Mann zu Ihnen, der die Beiden auf ein Carlsberg Stout und ein Gespräch einlud. Er stellte sich als ein frischgewählter Member of Parliament vor und wollte von ihnen Informationen über Hilfsorganisationen erhalten. Ebenso war er sehr intressiert an den Projekten der Beiden. Sein Ziel war es einige neue Projektstellen im Norden von Malawi zu errichten. Hauptsächlich im Bereich Bildung und Gesundheit. Er bot den beiden Tansaniafreiwilligen an, ihnen zwei mögliche Projektstellen zu begutachten. So stiegen sie in seinen fast neuen Landrover und fuhren um halb elf in der Nacht zu einer Boarding School in der Nähe von Chilumba. Teilweise war noch Licht in den Unterrichtsräumen und der Unterricht war noch nicht zu Ende, als die drei Personen über das Schulgelände schlichen. Als sie bei den Jungenschlafräumen ankamen war es vorbei mit der Unauffälligkeit. Die Schüler begrüßten den Member of Parlament und die beiden Tansaniafreiwilligen freundlich und zeigten ihnen ihre Schlafräume. 70 Jungen schlafen gemeinsam auf Etagenbetten in einem Raum. Ansonsten war die Anordnung der Gebäude und die Schule sehr ansehnlich. Nach der Schule besichtigten sie noch ein Krankenhauskomplex. Allerdings nur von Außen, um die kranken schlafenden Leute nicht zu stören. Danach ging es zurück in das Hafendorf Chilumba, wo Adressen ausgetauscht wurden. Nach einem Abschlussbier kehrten Samuel und Joschka zurück in den Schlafraum des Hafens und legten sich auf dem kalten Asphaltboden zum Schlafen. Kurz vor dem Sonnenaufgang wurden sie durch die Rufe eines Hafenarbeiters geweckt. Das Schiff käme nun an. Am Horizont waren die Lichter des Schiffs auch in der Dunkelheit zu erblicken. Eine halbe Stunde später lag es stolz im Hafen. Der Hafenmeister zeigte Samuel und Joschka ihre First Class Kabine, wo sie ihr Gepäck verstauten. Nach einer kurzen Begutachtung des Decks und der sanitären Anlagen, legten sich die beiden wieder schlafen. Die Tage an Deck sind schnell erzählt. Sie bestanden zum größten Teil aus Ausruhen, Schlafen, Essen, dem Bestaunen der wunderschönen Landschaften und lebhaften Treiben an den kleinen und mittelgroßen Häfen, wo Leute und Ladung in das ein-,aus- und verladen wurden. Eine weitere Aktivität an Bord war das Spielen. Samuel und Joschka lieferten sich erbitterte Schlachten im Bao, Schach und Canasta. Auch mit den anderen Backpackern spielten sie fleißig Karten und führten dabei intressante und lustige Gespräche. Unter anderem trafen Sie dort ein kanadisch-australisches Pärchen und das „Reiseduo“ Guilherme und Graham. Guilherme kommt aus Brasilien und hat sich den Traum einer Weltreise verwirklicht. Von Südafrika aus startete er seinen Trip. Über Botswana, Namibia und Sambia kam er nach Malawi auf die Ilala. Von Malawi aus wollte er durch Mosambik nach Tansania reisen. Über Ostafrika, Nordostafrika und den mittleren Osten will er sein Reiseziel Indien erreichen.
In Südafrika schloß sich ihm Graham an, den reiselustigen kanadisch-britischen Couchsurfer (über 55 Einträge), der nach seinem Philosophie Studium durch die Welt reist und dort bleiben will wo es ihm gefällt. Diese Personen trafen Samuel und Joschka auf ihrer Reise an verschiedenen Orten wieder. Zwei Bootanekdoten dürfen zum Ende dieses Abschnitts nicht unerwähnt bleiben:
1) Am letzten Nachmittag sonnten sich die Beiden an Deck der Ilala und die Bedienung brachte ihnen die Karten für das Abendessen. Nach fünfminütigem innerem Kampf zwischen Reis, Ugali und Pommes mit den Beilagen Huhn, Geschnetzeltem oder Fisch teilte sie ihnen mit, dass es an diesem Tag nur Hühnchen mit Reis gäbe. Danach fragte Sie Joschka und Samuel was Sie denn dann nehmen würden. Mangels Alternativen fiel ihre Wahl auf Hühnchen mit Reis. Dies schien sie wohl etwas zu erstaunen weswegen sie nochmals nachfragte, ob sie auch wirklich Hühnchen mit Reis haben wollten. Nach einer abermaligen Bestätigung der Bestellung Hühnchen mit Reis, nahm die Bedienung die Karten an sich und machte sich auf in die Küche. Das Essen,auch das Hühnchen mit Reis, war durchaus sehr gut und schmackhaft.

2) Die zweite Anekdote ereignete sich in der Nacht nach der Ankunft in Monkey Bay.
Das Schiff erreichte den Zielhafen von Monkey Bay erst am Abend und eine Weiterreise wäre in den der Nacht unmöglich gewesen. Nach einer Vereinbarung mit dem Captain war es Samuel und Joschka gestattet noch eine weitere Nacht in der Kabine zu nächtigen und das Schiff erst am nächsten Morgen zu verlassen. So schliefen sie tief und fest als es um ca. 2 Uhr nachts an ihrer Kabinentür klopfte. Es war ein Immigration Officer der zur nächtlichen Passkontrolle ausrückte. Er wollte “two passports“ sehen. Da es sich um zwei Personen handelte erschien alles wie Routine. Nachdem Joschka und Samuel ihm ihre Pässe gaben, kontrollierte er sie sehr genau. Joschka bekam seinen Pass mit den Worten “You are OK“ zurück. Samuel wurde von ihm etwas heftiger angeraunzt “Where is your second Passport??“. Nach mehrmaligen Beschwören, dass Samuel keinen zweiten Pass besitzt und das es sich um eine Verwechselung handeln muss, gab er auch Samuels Pass zurück und folgte unserem Tipp dass auf dem Deck noch andere Backpacker schliefen. Am nächsten Morgen folgte dann die Aufklärung...

Bilder von der Ilala, hier

„Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
Behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
Und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
Bis zur dreißigsten Etage.
Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
In zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
Wie seinerzeit auf den Bäumen.“

Dieses Gedicht ist nicht von Samuel...von wem ist das denn nochmal?

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