Freitag, 24. Juli 2009

Caminhos de Ferro de Moçambique

Von Cuamba nach Nampula

Samuel im Zug von Cuamba nach Nampula

Cuamba ist eine etwa 75.000-Einwohner starke Stadt im Norden Mosambiks. Geprägt durch die bis 1975 andauernde portugiesische Kolonialisierung und die strukturelle Vernachlässigung des Nordens glänzt sie mit verkommenen Parkanlagen, zweispurigen aber ungeteerten Alleen, einem „Luxushotel“, einem guten Brötchenbäcker, Inderläden mit Bockwurst und Fruchtsaft, seltsamerweise sehr schnellem Internet und einem Bahnhof. Unsere kleine Reisegruppe, bestehend aus Eva, dem Todd-Man, Graham, Guilherme, Joschka und Samuel erfreute sich an dieser ihrer ersten Mosambikischen Stadt, auch wenn die AK47 in der Fahne des Landes, das sich 1976 bis 1992 im Bürgerkrieg befunden hatte, den einen oder anderen etwas befremdete.

Die Tickets für den alten südafrikanischen Zug (Caminhos de Ferro de Moçambique, Nacala- Lichinga Strecke) für ein 6er-Abteil in der 2. Klasse (1. Klasse nicht vorhanden) kosteten etwa 10 € pro Person. Abfahrt: 05:00 Uhr am Sonntagmorgen. Von den vorhergegangenen Abenteuern erschöpft begaben sich Graham, Guilherme, Joschka und Samuel nach wenigen Bieren um 6 Uhr abends zu Bett, auch wenn die dröhnende Musik der angrenzenden Bar den Schlaf noch eine Weile fern hielt. Um halb 2 am nächsten Morgen klingelten die Wecker. Die vier erhoben sich mühsam von ihren Lagern, schlürften halb nackten Damen begegnend zum Bad (die Unterkunft hatte sich als Stundenmotel entpuppt) und gingen dann in einen Nachtclub, wo ein Tanzwettbewerb stattfand und südafrikanische House-Musik di Luft zum vibrieren brachte.

Von der Disko ging es dann direkt zum Zug, wo mit interkulturellen Diskussionen über George Bush und Malaria, mit Kakerlakeninvasionen, Dieben und einem Lokomotivenausfall für reichlich Unterhaltung gesorgt war. Es begann damit, dass Todd die Abwesenheit seines Geldbeutels bemerkte und erstaunt feststellen musste, im Bahnhof zum ersten Mal im Leben Opfer eines Taschendiebstahls geworden zu sein. Nach einigen äußerst amerikanischen Fluchen war die Sache aber fast schon vergessen und der Zug setzte sich um 6 Uhr tatsächlich langsam in Bewegung Richtung Osten. Die Landschaft zwischen Cuamba und Nampula ist durch zahlreiche faszinierende Vulkansteinformationen geprägt, die grau und spitz in den blauen Himmel des nordmosambikischen Hochlandes ragen. Der Reiseführer warnt vor Landminen, die etwaige Besteigungen je beenden könnten. Nach einigen Stunden fahrt blieb der Zug leider liegen, da die Lokomotive kaputt gegangen war. Die meisten Menschen stiegen aus dem Zug und auch unsere Helden setzten sich zum gemütlichen Kartenspiel auf die Gleise. Schon bald kamen die ersten geschäftstüchtigen Dorfbewohner mit Bananen, Erdnusszuckerteilchen und anderem Gebäck, welches körbeweise vernichtet wurde. Irgendwann gegen mittag kam dann tatsächlich eine Ersatzlok, so dass die muntere Fahrt weiterging. Mittlerweile leugnete der Texaner Todd die texanische Identität von Bush (mit Recht) und Guilherme hatte alle anderen von den Vorzügen der portugiesischen Sprache und der blühenden Zukunft Brasiliens überzeugt. Bei einem abendlichen Stopp in einem kleinen Dorf (es war bereits dunkel) fragte er einen jungen Mann mit blutunterlaufenen Augen, wie weit es denn noch bis Nampula wäre. Dieser gab auch bereitwillig Auskunft, hängte sich dann in das offene Abteilfenster und fragte höflich nach der Uhrzeit. Als daraufhin niemand sein Handy aus der Tasche holte, um nachzuschauen, begann er mit einer Hand nach irgendetwas in Reichweite zu tasten, bis Todd ihm einen beherzten Schubs gab, der den neuen Freund im Staub neben den Schienen zurücklies.
In Nampula, der drittgrößten Stadt Mosambiks angekommen, war der Abend schon weit vorrangeschritten und die sechs machten sich im Dunkeln auf Zimmersuche. Die sehr moderne Innenstadt erinnert an Südafrikanische Stadtzentren mit mehrstöckigen Kastenbauten und jungen Indern, die sinnlos die Tänke ihrer getunten Autos leerfahren. Es kam zu zwei interessanten Begegnungen. Die erste mit einem arbeitslosen Mann, der fließend Deutsch sprach und im Zuge sozialistischer Kooperationen mehrere Jahre in der damaligen DDR gearbeitet hatte. Die zweite Begegnung erfolgte an einem beinahe verlassenen Kreisverkehr. Dort standen zwei hühnenhafte Militärpolizisten in Khaki und schußsicheren Westen, bewaffnet mit dem bereits erwähnten Wappenschmuck Mosambiks. Guilherme hielt es für die best mögliche Verhaltensweise, einen der beiden höflich nach einem günstigen Hotel in der Nähe zu fragen. Die etwas weniger höflich ausfallende Antwort beschränkte sich auf „Passports!“. Kurz darauf erschien augenscheinlich der Befehlshabende, sammelte die Pässe ein und verschwand damit um's Eck. Nach längerer Diskussion, in deren Verlauf der Offizier unser gesammtes Gepäck durchsuchen und uns gründlich filzen wollte, erhielten wir durch die herzerweichenden Geschichten Guilhermes endlich unsere Pässe wieder und durften endlich schlafen gehen.

Bilder von Cuamba und der Zugfahrt, hier

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